Lenz und Hahn machen es spannend

Alle Schlachten sind geschlagen, die ETRC 2026 ist Geschichte: Auf dem Circuito de Jarama ging die Europameisterschaftssaison mit einem spannenden Finale zu Ende. Die Frage, wer 2026 Europameister werden könnte, war ja mehr oder weniger bereits seit Saisonbeginn nur mäßig spannend. Außer Rekordchampion Norbert Kiss kam für die Titelvergabe niemand in Frage, so gerne man sich vielleicht etwas mehr Abwechslung wünschen würde. Kiss ist in den letzten Jahren so dominant aufgetreten, dass an seinen erneuten Ambitionen und Chancen nie ein Zweifel bestand. Wie üblich, sicherte er sich auch in der zu Ende gegangenen Saison in sämtlichen Qualifyings die Pole Position und ließ den schnellsten Rundenzeiten jeweils ungefährdete Siege folgen. Dazu kamen noch etliche Erfolge in den Rennen mit gedrehtem Start; ein 60-er – also vier Siege in den vier Championshiprennen eines Wochenendes – gelang dem nunmehr achtfachen Europameister allerdings nur bei Gastspiel auf dem Slovakiaring. 139 Punkte Vorsprung kamen so über das Jahr zusammen

Aber es gab vor dem letzten Rennwochenende noch den offenen Kampf um Platz 2 mit gleichen Chancen für Jochen Hahn und Sascha Lenz und Außenseiterchancen für Antonio Albacete, sowie die Frage, welcher Brite die Chrome Class für sich entscheiden könnte. 


Das Jahr der knappen Entscheidungen

Dass es im (Motor-) Sport mitunter eng zugeht, macht ja den Reiz der Wettkämpfe aus. In dieser Saison gab es allerdings mehrere Resultate, bei denen es bemerkenswert knapp zuging. Da war einmal das zweite Rennen auf dem Slovakiaring, bei dem Norbi Kiss seinen Kollegen in der Teammeisterschaft buchstäblich auf der Ziellinie übertrumpfte: Mit der Winzigkeit von einer hundertstel Sekunde Vorsprung gewann der Ungar vor René Reinert. Im Truck Racing dürfte das vermutlich die knappste Entscheidung in einem Rennen gewesen sein. Und beim Finale war es der Kampf um Platz 2, bei dem die B-Note herangezogen werden musste, um den Zweitplatzierten der Gesamtwertung zu ermitteln: Jochen Hahn verteidigte seinen Vizetitel erst beim allerletzten Championshiprace des Jahres erfolgreich. Er wurde als Fünfter abgewunken, hatte damit genau so viele Punkte auf dem Konto wie sein deutscher Konkurrent Sascha Lenz, der in diesem Lauf vor Hahn Vierter geworden war. Daher entschied die Zahl der Erfolge über den Vizetitel – und hier hatte Hahn denkbar knapp die besseren Karten.

Nicht ganz so knapp fiel die Entscheidung in der Chrome-Class aus. In dieser Kategorie hatte es lange Zeit nach einer erfolgreichen Titelverteidigung für Mark Taylor ausgesehen. Doch der Brite geriet vor allem nach der Sommerpause ins Trudeln und musste am Ende seinem Landsmann John Newell zum Erfolg gratulieren.

Mit dem Titel für den besten Nachwuchsfahrer wurde erneut der Portugiese Jose-Eduardo Rodrigues ausgezeichnet. Für ihn dürfte es allerdings hart werden, diesen Titel zu verteidigen, sollte Hahn Junior eine komplette Saison fahren: Lukas Hahn stand bei seinen vier Einsätzen insgesamt sieben Mal ganz oben auf dem Siegerpodest.

  

Könner

„Wie in Indien, da reparieren sie ihre Motoren oder Getriebe auch auf der Straße.“ So kommentierte ein Beobachter das Gastspiel der Mechaniker-Crew von Jose-Eduardo Rodrigues beim Team Taylor. Der MAN von Mark Taylor war am vorangegangenen Wochenende in Le Mans mit Getriebeproblemen auffällig geworden; daher wollte der Brite die Box vor dem Finale reparieren lassen, um seine Chancen auf den Chrome-Titel zu wahren. Die portugiesischen Mechaniker erwiesen sich dabei als wahre Könner, zerlegten das ZF-Getriebe mit simplen Werkzeugen unter freiem Himmel, ersetzten den verschlissenen Zahnkranz (die Ursache der Probleme) und bauten schließlich wieder alles perfekt zusammen. Für den Rest des Wochenendes war Mark Taylor dann mit einer tadellos arbeitenden Schaltbox unterwegs. Den Chrome-Titel – siehe oben – gewann trotzdem John Newell. 

 

Standesgemäß

Die Serie riss auch in Jarama nicht ab: Norbert Kiss beendete das Jahr aus seiner Sicht mit einer makellosen Bilanz - er gewann auch die beiden letzten Qualifyings und danach die Rennen 1 und 3. Damit setzte der Ungar zum Saisonende noch einmal ein klares Ausrufezeichen - er dürfte auch 2027 der Akteur sein, den es zu besiegen gilt. Es bestehen allerdings berechtigte Zweifel, ob das unter "normalen Umständen" zu schaffen sein könnte. 


Der letzte Lorbeerkranz geht an die Dame

Im Vorjahr war sie an gleicher Stelle noch Dritte in der Gesamtwertung geworden. In diesem Jahr lief es nicht ganz so gut für Steffi Halm. Doch beim Finale in Jarama lief Halm noch einmal zu großer Form auf und gewann das letzte Championshiprace des Jahres vor den Youngstern Jose-Eduardo Rodrigues und Likas Hahn. Ein versöhnlicher Saisonabschluss für die Fahrerin des Schwabentruck-Iveco. 

DAS FINALE DER ETRC 2026 IN BILDERN